Wenn die Kleinen größer werden

Mädchen zieht einen großen Stofflöwen hinter sich her

Wenn die Kleinen größer werden

Der aufregende Weg ins erste eigene Kinderbett

Eines der häufigsten Argumente gegen das Einschlafen mithilfe von Mamas oder Papas Nähe (vgl. hier unseren Artikel: Einschlafen: Ein Ziel, zwei gegensätzliche Methoden) ist auch heute immer noch: „Das Kind muss früh lernen, allein einzuschlafen, sonst lernt es das nie und wir kuscheln es in 40 Jahren noch in den Schlaf!“

Aber ist das wirklich so? Unserer Erfahrung nach nicht (obwohl wir natürlich nicht für jedes Kind auf dieser Welt sprechen können und wollen). Irgendwann stellt sich bei einem Kind ein Schalter um und der Wunsch nach Selbstständigkeit und Rückzug erwacht. Wann genau das ist, lässt sich nicht pauschalisieren, denn natürlich ist jedes Kind anders gestrickt: Die einen ziehen schon mit drei Jahren begeistert ins eigene Bettchen um, den anderen ist das Ganze auch mit fünf noch nicht so recht geheuer. Aber im Regelfall kommt sie irgendwann in diesen Jahren, die Lust auf ein ganz eigenes Bett.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt im Kinderleben

Häufig wird der Schritt aus dem Beistellbettchen neben dem Elternbett oder aus dem Familienbett hinaus und hinein in das erste eigene Refugium offiziell mit der Anschaffung eines neuen Bettes eingeleitet. Ihr könnt Euer Kind bei diesem wichtigen Meilenstein seiner Entwicklung unterstützen, sodass es sich auch nach der anfänglichen Aufregung jeden Tag aufs Neue darauf freut, ins Bett zu gehen und es sich dort gemütlich zu machen. Wundert Euch aber bitte nicht, wenn das selbe Kind, das ihr abends noch zufrieden und mutig in sein neues Bett gebracht habt, nachts doch verunsichert und einsam im elterlichen Schlafzimmer erscheint. Denn so schön die Aussicht auf das Selbstständig-Schlafen tagsüber noch gewesen sein mag, so dunkel und unheimlich kann es in der Nacht plötzlich werden.

Mädchen schläft friedlich mit Teddy im Arm

Das Kinderbett gehört Eurem Kind

Für einen erfolgreichen Umzug ins Kinderbett solltet Ihr Euch vor allem eins vor Augen führen: Das Bett ist der ganz private Bereich Eures Kindes. Deshalb sollte es schon beim Aussuchen – im Rahmen des Möglichen – ein Mitbestimmungsrecht haben. Manche Kinder schlafen gern in luftigen Höhen, manche wünschen sich eine Höhle, in der sie sich auch mal vor der Außenwelt verstecken können. Auch beispielsweise die Bettwäsche, Beleuchtung oder Dekoration rundherum sollte so sein, wie es Eurem Kind gefällt, und nicht, wie Ihr es schick finden würdet. Und solltet Ihr Euch schließlich in Anbetracht des aufgereihten Kuscheltierzoos oder der überbordenden Sammlung von Wimpeln und Postern denken: „Also ich könnte hier ja nicht schlafen“, können wir nur antworten: „Sollt Ihr ja auch gar nicht!“

Das Bett als Rückzugsort

Da haben wir jahrelang gefühlt ununterbrochen auf unser Kind achtgegeben, es mit uns herumgetragen, mit ihm gespielt, geschmust und es in den Schlaf begleitet. Und plötzlich fängt es an, sich von uns abzunabeln und auch mal alleine sein zu wollen. Ein bisschen komisch ist das und gleichzeitig eine verständliche Reaktion auf die vielen Einflüsse des Tages. Denn ein Kind braucht immer wieder Ruhephasen, in denen es Erlebtes sacken lassen und sich entspannen kann. Vielleicht sind da auch noch nervige Geschwister oder es braucht eine Auszeit, in der es ein Buch anschaut/liest, ein Hörspiel hört oder einfach ein paar Wolkenschlösser baut. Das Bett ist der ideale Ort für so einen Rückzug, der problemlos in die abendliche Routine mit aufgenommen werden kann, beispielsweise, indem Eurer Kind vor dem Schlafen noch eine halbe Stunde das Licht anlassen und sich ruhig beschäftigen darf.

Immer wieder mal was Neues!

Plötzlich will das Piratenschiffarrangement, das Ihr mit Eurem Kind so sorgfältig an die Bettpfosten des Hausbettes gebastelt habt, nicht mehr gefallen? Euer Kind fühlt sich viel zu erwachsen für Bettwäsche mit Drachen und Einhörnern? Dann versetzt Euch in seine Lage, bevor Ihr es mit einem „Aber vor zwei Jahren musste das doch unbedingt sein“ schachmatt setzt. Denn zwei Jahre sind im Kindesalter eine sehr, sehr lange Zeit, in der Euer Kind viel erlebt, lernt und sich ständig weiterentwickelt. Gebt ihm also die Möglichkeit, sein Bett neu zu dekorieren und umzugestalten, und zeigt ihm, wie man auch aus schon vorhandenen Materialien etwas völlig Neues gestalten kann.  

2021-01-15 15:28:00 / Schlaf-Ratgeber / Kommentare 0
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