Warum will mein Kind nicht schlafen gehen?

Mädchen mit rotem Ballon

Warum Kinder nicht schlafen gehen wollen

Und täglich grüßt das Murmeltier?

Ein guter und erholsamer Schlaf ist für uns alle wichtig, für Kinder aber ganz besonders. Denn nur im Schlaf können sie das, was sie am Tag erlebt, gelernt und entdeckt haben, sortieren und verarbeiten. Und nur im Schlaf können sie Kraft tanken für den neuen Tag, an dem es wieder viel zu erleben, lernen und zu entdecken gibt. Unausgeschlafene Kinder sind reizbarer und weniger aufnahmefähig und schön ist es, wie wir alle wissen, auch sonst nicht, sich müde durch den Tag zu schleppen.

Und trotzdem wird die allabendliche Schlafenszeit für viele Familien zur Zerreißprobe: Viele Kinder drehen nun noch einmal richtig auf und entwickeln eine erstaunliche Kreativität und Ausdauer, nur, um nicht schlafen gehen zu müssen. Woran aber liegt das? Und wie kannst Du Deinem Kind dabei helfen, die Schlafenszeit als Tagesordnungspunkt anzuerkennen, der vielleicht nicht der schönste von allen, aber doch ein positiv besetzter ist, gegen den sich Dein Kind nicht zu wehren braucht?

Unter Druck geht hier gar nichts

Das sollte an allererster Stelle gesagt werden: Dein Kind soll sich, wenn es in seinem Bettchen liegt, entspannen, loslassen können und sich sicher und geborgen fühlen. Aber all diese Gefühle lassen sich nicht erzwingen. Ansagen wie: „Jetzt ist auf der Stelle Schluss!“, werden Dein Kind nicht müde machen, sondern eher das Gegenteil bewirken. Kein Kind sollte mit Befehlen oder Verboten ins Bett gezwungen werden, denn der größte „Erfolg“ der dabei verzeichnet werden würde, wäre, dass Dein Kind zwar in seinem Bett liegt, aber putzmunter ist und sich nur ruhig verhält, weil es Angst vor Dir und Deinen Konsequenzen hat. Sicherlich würden ihm auch dann irgendwann die Augen zufallen, aber höchstwahrscheinlich nicht mit einem guten Gefühl. Führe also besser ein Einschlaf-Ritual ein und achte auf eine immer gleichbleibende abendliche Routine.

Kind weint

Noch nicht müde oder schon zu müde

Schlag 19:30 ist Schlafenszeit? Natürlich ist ein regelmäßiger Tagesablauf für Kinder sehr wichtig, denn dieser gibt ihnen Sicherheit und Routine. Aber was ist, wenn das Spiel gerade sooo spannend ist oder Dein Kind um 19:10 Uhr einfach noch so putzmunter, dass in der nächsten halben Stunde noch nicht an Schlaf zu denken sein wird? Wäre es dann so schlimm, wenn Dein Kind erst um 19:50 Uhr im Bettchen liegt und selig einschlummert? Auch wir Eltern haben schließlich Tage, an denen wir abends noch Bäume (zumindest kleine) ausreißen könnten. Und dann aber auch wieder Tage, an denen wir eigentlich schon am liebsten nachmittags unter die Decke kriechen würden. Gestehe dies auch Deinem Kind zu (in einem sinnvollen Rahmen) und achte auf die typischen Anzeichen, wenn es müde wird. Dann wird es sich ernstgenommen fühlen und erkennen, dass die Schlafenszeit nicht gleichbedeutend ist mit: „Du darfst nicht mehr spielen, der Spaß ist für heute vorbei!“

Manchmal kann es aber auch passieren, dass Du den Punkt verpasst, an dem Dein Kind gut hätte einschlafen können und es nun zu müde ist, um noch entspannt ins Bett zu gehen. Das, was nun häufig geschieht, heißt bei uns „knören“ oder „knörig sein“. Ursprünglich ist „knören“, wenn ein Hirsch leise röhrende Geräusche von sich gibt, was sich recht gut mit den Geräuschen vergleichen lässt, die Dein Kind von sich gibt, während es mit dazu passenden schmierenden Bewegungen auf dem Teppich oder Sofa herumrutscht. Ist dieser müde Zustand erreicht, brauchst Du bei Eurer Einschlafroutine noch mehr Geduld und Einfühlungsvermögen, um Dein quengeliges Kind ins Bett zu bringen.

Mädchen gähnt

Zu wenig geistige und körperliche Auslastung

Ein Kind, das sich tagsüber körperlich und geistig viel bewegt hat, schläft besser. Deshalb ist es wichtig, dass Du Deinem Kind tagsüber genügend Aktivitäten bietest, die es auspowern. Achte aber darauf, dass es, umso weiter der Nachmittag voranschreitet, mehr und mehr zur Ruhe kommt. Denn ganz viel Aufregung direkt vor dem Schlafengehen wird wahrscheinlich eher einen aufputschenden Effekt haben: Dein Kind ist vollgepumpt mit Energie und Adrenalin und soll sich dann plötzlich hinlegen und gar nichts mehr tun? Kein Wunder, wenn da die Beinchen unter der Bettdecke einfach weiterrennen. Übrigens: Auch, wenn es ruhig gebannt auf die Mattscheibe starrt: fernsehen oder daddeln mit dem Smartphone beruhigen Dein Kind nicht, sondern geben ihm sehr viel Input, den es zusätzlich verarbeiten muss. Deshalb sollte zwischen dem Fernsehen oder Daddeln, wenn es unbedingt sein muss, und dem Schlafengehen, immer noch etwas Zeit liegen, in der Dein Kind eine Ruhephase einlegt.

Kinder im Park

Ganz schön gruselig hier…

Schlafen bedeutet, die Kontrolle aufzugeben. Denn wer schläft, bekommt nicht mehr mit, was gerade um ihn herum passiert. Das verstehen auch Kinder relativ früh und müssen erst Vertrauen aufbauen, dass sie sicher und geborgen sind, während sie schlafen. Zudem ist die Nacht sehr dunkel, Schatten sind viel bedrohlicher und Geräusche viel unheimlicher, als sie es bei Tage wären. Schnell werden dann der Baum vor dem Fenster zu einem einfliegenden Monster oder das Knarren der Dielen zum Schnarchen eines Drachen unter dem Bett. Du kannst Deinem Kind dabei helfen, diese Ängste zu überwinden und den Kontrollverlust zuzulassen, den das Schlafengehen mit sich bringt. Nimm es dabei ernst, egal wie absurd die Ängste sein mögen. Denn in dem Moment, wo sich Dein Kind fürchtet, sind Monster, Drachen oder Gespenster sehr präsent und werden sich nicht mit einem lapidaren „Quatsch, Monster gibt es doch gar nicht“, abspeisen lassen. Hilf Deinem Kind also, indem Du für es da bist und Dir Mittel und Wege ausdenkst, die Ängste effektiv zu vertreiben: Ein Monsterspray zum Beispiel kann wahre Wunder wirken, wenn es unter das Bett oder hinter die Gardinen gesprüht wird.

Könnte es auch eine Schlafstörung sein?

Alle Tipps und Tricks, die Dein Kind beim Schlafengehen unterstützen sollen, wollen nicht so recht helfen? Dann kannst Du überlegen, ob Du Dich an einen Schlafexperten wenden willst. Erster Ansprechpartner sollte dabei der Hausarzt sein, der abklären kann, ob medizinische Ursachen vorliegen. Das ist glücklicherweise aber höchst selten der Fall, viel häufiger bedarf es noch mehr und professionellen Schlaf-Coachings. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin  (DGSM) versammelt auf Ihrer Webseite weiterführende Informationen zu dem Thema und nennt Anlaufstellen in Deiner Nähe, die Schlaftrainings anbieten.

Bevor Du Dich aber an offizielle Stellen wendest, solltest Du es vorerst vielleicht mit einem Schlaftagebuch ausprobieren, in dem Du jeden Abend notierst, was gut und was schlecht beim Schlafengehen geklappt hat und was die Ursachen dafür sein könnten. Subjektiv fühlt sich nämlich eine Woche voller anstrengender Einschlafprozeduren sehr lang an, objektiv sind sieben Tage eher wenig, um eine gut funktionierende Einschlaf-Routine einzuführen. Denn so etwas kommt – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht über Nacht.

2020-12-02 11:11:00 / Schlaf-Ratgeber / Kommentare 0
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